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Was Betriebe mit KI wirklich machen

Jedes fünfte mittelständische Unternehmen nutzt KI. Die KfW hat erhoben, wofür, und die Antwort ist unspektakulärer und brauchbarer, als auf jeder Messe behauptet wird.

Christoph Beuter · Entwickler und Gründer von Folyoo

Jedes fünfte mittelständische Unternehmen in Deutschland nutzt inzwischen mindestens eine KI-Technologie. Das steht nicht in einer Broschüre eines Anbieters, sondern im KfW-Mittelstandspanel, einer der größten Unternehmensbefragungen des Landes. Interessanter als die Zahl ist aber, wofür sie es einsetzen.

Die einfachen Sachen setzen sich durch#

Die KfW hat vier Arten von KI getrennt erfasst. Das Ergebnis ist eindeutig:

Sprache erzeugen14 %
Texte erkennen10 %
Datenanalyse3 %
Maschinen steuern1 %
Anteil mittelständischer Unternehmen, die diese KI-Technologie nutzen
Zahlen als Tabelle
BezeichnungWert
Sprache erzeugen14 %
Texte erkennen10 %
Datenanalyse3 %
Maschinen steuern1 %

Vierzehn Prozent lassen KI Sprache erzeugen, zehn Prozent Texte erkennen. Datenanalyse machen drei Prozent, autonom fahrende Maschinen ein Prozent.

Das ist das Gegenteil dessen, was auf Messen gezeigt wird. Die Technologien, die sich durchsetzen, sind die, die man am Montagmorgen anschalten und am Dienstag benutzen kann. Alles, was ein Projekt braucht, bleibt liegen.

„Wir sind zu klein dafür" stimmt nicht#

Das häufigste Argument gegen KI in kleinen Betrieben ist die Größe. Die KfW hat genau das untersucht und kommt zu einem anderen Schluss: Entscheidend für den Einsatz ist weniger die Unternehmensgröße als der Digitalisierungsgrad, vorhandenes Wissen und die Frage, ob ein Betrieb überhaupt gewohnt ist, Dinge zu verändern.

Die Zahlen für die Kleinsten bestätigen das. Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten liegen bei den beiden verbreiteten Technologien nur knapp hinter dem Durchschnitt:

  • Mittelstand gesamt
  • unter 5 Beschäftigte
Sprache erzeugen
14 %
13 %
Texte erkennen
10 %
9 %
Nutzung nach Betriebsgröße
Zahlen als Tabelle
BezeichnungMittelstand gesamtunter 5 Beschäftigte
Sprache erzeugen14 %13 %
Texte erkennen10 %9 %

Ein Prozentpunkt Unterschied. Wer mit drei Leuten arbeitet, ist bei den brauchbaren Anwendungen praktisch gleichauf mit Betrieben, die das Zehnfache an Personal haben.

Die eigentliche Hürde ist eine andere#

Die KfW nennt einen Zusammenhang, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: Betriebe, die KI einsetzen, informieren sich auffällig häufig über einfache Kanäle. Fachzeitschriften, Messen, Websites, Beratung. Der Zusammenhang mit Universitäten, spezialisierten Dienstleistern oder dem Austausch mit Kunden ist deutlich schwächer.

Die Studie zieht daraus einen Schluss, den ich in Gesprächen ständig bestätigt sehe:

Die Identifikation erster, praxistauglicher KI-Anwendungen ist eine zentrale Hürde.

Das Problem ist nicht die Technik und nicht das Geld. Das Problem ist die Frage, was man damit im eigenen Betrieb überhaupt anfangen soll. Wer das einmal für sich beantwortet hat, kommt weiter. Wer darauf wartet, dass es offensichtlich wird, wartet.

Was das für einen Betrieb mit fünf Leuten heißt#

Aus den Zahlen lässt sich eine praktische Reihenfolge ableiten. Sprache erzeugen und Texte erkennen sind das, was funktioniert. Nicht weil sie die spannendsten Anwendungen wären, sondern weil sie in vorhandene Abläufe passen, ohne dass jemand seine Arbeitsweise ändert.

Übersetzt in den Alltag eines kleinen Betriebs sind das drei Dinge:

  • Etwas, das ans Telefon geht, wenn niemand rangehen kann. Das ist Sprache erzeugen im engeren Sinn.
  • Etwas, das aus einer Anfrage ein Angebot macht, statt dass jemand dieselben Daten zweimal tippt. Das ist Texterkennung plus Automatisierung.
  • Etwas, das Papier in Daten verwandelt: Lieferscheine, Rechnungen, handschriftliche Notizen vom Kundentermin.

Was in dieser Aufzählung fehlt, ist genauso aufschlussreich: keine Vorhersagemodelle, keine Bilderkennung, keine autonome Maschine. Das gibt es alles, es rechnet sich nur für einen Fünf-Personen-Betrieb nicht, und die Zahlen der KfW zeigen, dass die Betriebe das längst wissen.

Wo ich stehe#

Ich baue solche Sachen, meine Meinung ist also nicht neutral. Was ich aus den Zahlen trotzdem mitnehme: Der Anteil von zwanzig Prozent bedeutet auch, dass vier von fünf Betrieben nichts davon nutzen. Das ist kein Rückstand, den man aufholen muss, sondern eine Frage, die jeder für sich beantworten darf.

Die richtige Reihenfolge ist nicht, sich für KI zu entscheiden und dann eine Anwendung zu suchen. Sie ist, den Vorgang zu benennen, der jede Woche Zeit frisst, und dann zu prüfen, ob es dafür etwas gibt. Bei drei Vierteln der Fälle, die mir begegnen, ist die Antwort ein einfaches Werkzeug und nicht künstliche Intelligenz. Bei dem Rest lohnt es sich.

Quellen#